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Gepflegt,
hübsch und ruhig lag der Landgasthof
in der Abenddämmerung. Mit der Dame
meines Herzens beschloss ich, die Kreationen
der Küche zu testen. Weil es ein lauschiger
Sommerabend war, setzten wir uns an einen
Tisch auf der Terrasse des Restaurants.
Kaum waren die Speisen serviert und der
Ober wieder im Gebäude verschwunden,
tappte ein riesiger, schwarzer Hund um die
Hausecke. Der Mischling war offenbar das
Ergebnis einer leidenschaftlichen Liebe
zwischen einem Deutschen Schäferhund
und einem Schweizer Bernhardiner. Er steuerte
langsam, aber zielstrebig auf unseren Tisch
zu.
Seine
Nase reichte auch ohne dass er sie besonders
heben musste an die Tischkante. Offensichtlich
hatte er heute noch nichts gefressen oder
er war ständig hungrig. Nun bin ich
zwar tierlieb, aber als jener schwarze vierpfötige
Geselle gierig auf meinen Teller schaute,
erkannte ich die Grenzen meiner Tierliebe.
Ich war nicht bereit, mir mein Nachtmahl
wegschnappen zu lassen und brachte ihm dies
zunächst schonend bei.
Pfui!",
sagte ich. Keine Reaktion. Etwas lauter
noch einmal: Pfui!" Wieder keine
Reaktion bei dem Fellträger. Noch lauter:
Verschwinde! Hau ab! Das ist mein
Essen! Geh weg! Weg hier!"
Doch
den schwarzen Bastard interessierten meine
Wünsche nicht. Als habe er nichts gehört,
positionierte er seine Schnauze noch näher
an den Steak-Teller. Die Situation wurde
brenzlig. Die Dame meines Herzens schaute
mich an und fürchtete offenbar auch
um ihren Teller.
Keine
Frage, jetzt war meine Stunde als Beschützer
und Retter gekommen. Denn nachdem der ungebetene
Gast meinen Teller geleert hätte, würde
er sich über den ihrigen her machen.
Das musste verhindert werden. Aber was sollte
ich tun? Vom Ober keine Spur. Wir waren
die einzigen Gäste auf der Terrasse.
Das schwarze Monstrum hatte meine eindeutigen
Befehle schlichtweg ignoriert. Aus seinem
riesigen Gebiss hing eine feuchte Zunge
und aus beiden Maulwinkeln tropfte es. Das
Steak hatte es ihm angetan, es duftete aber
auch zu verführerisch. Und es schmeckte
vorzüglich. Allein deshalb wollte ich
es nach nur einem einzigen Bissen nicht
kampflos hergeben.
Ich
sah mich nach einem geeigneten Mordinstrument
um. Denn mit bloßen Händen mochte
ich mich nicht auf das schwarze Ungeheuer
stürzen. Die Gabel, das Messer - Spielkram.
Der leere Stuhl am Nachbartisch, mit dem
könnte ich das Untier in Stücke
hauen. Nein, das filigrane Rohrgeflecht,
ein Prankenhieb und ich stünde mit
leeren Händen da. Warum kam denn niemand
aus dem Restaurant? Man musste doch meine
Hilferufe gehört haben. Sollte ich
den ganzen Nachbartisch auf die Bestie werfen?
Da
hatte die Dame meines Herzens die rettende
Erleuchtung. Den Bluthund fixierend sagte
sie laut und vernehmlich: Non!!!"
Augenblicklich
senkte der Köter den Kopf, zog den
Schwanz ein, machte sich klein wie ein Dackel
und verschwand schnurstracks hinter der
Hausecke, woher er gekommen war.
Mit
offenem Mund sah ich die Dame meines Herzens
an. Wie, der hört nur auf Frauen
und nicht auf Männer?", wollte
ich fragen. Doch ich war noch zu verblüfft,
um die trefflichen Worte zu formulieren.
Soeben der grauenhaften Attacke eines Scheusals
entgangen, berappelte ich mich in Sprachlosigkeit.
Nun",
begann sie beruhigend auf mich einzureden.
Schau mal, die Speisekarte ist in
französischer Sprache, der Ober sprach
mit uns französisch, kurz: wir sind
in Frankreich. In diesem Land, wo schon
die kleinen Kinder französisch sprechen,
müssen wir davon ausgehen, dass auch
die Hunde französisch verstehen."
Aha",
sagte ich tonlos.
Aber
sie war offenbar nicht sicher, ob ich verstanden
hatte und fügte deshalb hinzu: Du
sprachst deutsch mit dem Hund. Das hat er
nicht verstanden. Mein französisches
'Non' hingegen, hat er sofort kapiert."
Großmütig
stimmte ich ihr zu. Wie konnte ich diese
Binsenweisheit übersehen? Wenn man
sich Gehör verschaffen will, muss man
die Sprache sprechen, die verstanden wird
- und das gilt nicht nur bei Hunden.
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