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Mein
erstes eigenes Auto erwarb ich bebraucht,
einen NSU Prinz 4 im selben rot wie die
Feuerwehrautos. Mit seinen 30 PS unter der
Heckhaube riss ich viele Kilometer ab. Ich
besuchte die Dame meines Herzens am anderen
Ende der Republik und baute meinen ersten
Unfall auf jenen vier kleinen Rädern.
Es war das beste Auto aller Zeiten, jedenfalls
für mich. In der kalten Jahreszeit
lehrte es mich sogar einen physischen Grundsatz,
der auch in anderen Lebensbereichen Gültigkeit
hat.
Der
Motor meines Superautos mochte keinen Frost
und verhielt sich mucksmäuschen still,
wenn ich bei eisiger Kälte den Zündschlüssel
drehte. Manchmal rang er sich noch zu einem
würgenden Laut auf, dass ich aus Mitleid
um mein Herz fürchten musste. Es waren
nicht immer ein paar kräftige Burschen
zur Stelle, die das Auto mit mir darinnen
anschoben. Deshalb fand ich eine andere
Lösung.
Mit
einer Hand am Lenkrad, der anderen an der
geöffneten Fahrertür und der rechten
Schulter im Türrahmen, schob ich den
Prinz 4 selber an. Zwar brachte das Auto
unbeladen nur knapp 600 kg auf die Waage,
dennoch kostete es mich all meine Kraft,
bis die Räder auf wagerechter Strecke
rollten. Bei vereister Straße musste
ich mich gelegentlich an die Fahrertür
klammern, um nicht unter die Räder
zu kommen.
Wenn
sich der Wagen nämlich erst einmal
bewegte, konnte ich ihn fast mit dem kleinen
Finger am Laufen halten. Ja, das kleine
rote Auto machte Anstalten, eigenrädrig
davon zu rennen. Aber ich war jedes Mal
schneller. In vollem Lauf sprang ich hinter
das Lenkrad, legte den ersten Gang ein und
ließ die Kupplung gefühlvoll
kommen. Der Motor ruckelte und heulte auf,
als ich das Gaspedal durchtrat. Auf diese
Weise brachte ich meinen Prinz 4 bei eisigen
Temperaturen oft zum Laufen. Meistens klappte
es beim ersten Versuch.
Ein
stehendes Auto aus seinem Ruhezustand zu
bringen, erfordert viel Kraft. Mehr Kraft,
als es anschließend am Laufen zu halten.
Sich selber aus seinen Gewohnheiten, Traditionen
und Denkmustern zu bringen, erfordert mindestens
ebenso viel Kraft. Aber wenn man dann einmal
rollt", entdeckt man neue Welten
und es ist herrlich und schön.
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